Intergalaktischer Pulk: «Zeit zu spielen», 2026
Könnte es eines Tages möglich sein, mit dem Geist eines über hundertjährigen Mammutbaums gemeinsam ein künstlerisches Werk zu schaffen? Diese Frage – oder vielmehr dieser Wunsch – treibt einen der Mitwirkenden im «Intergalaktischen Pulk», der dieses Kunstblatt gestaltet hat, um. Im Unterschied zu einer Künstler:innengruppe oder einem Kollektiv gibt es im «Intergalaktischen Pulk» keine benennbaren Mitglieder. Nicht nur wird auf Anonymität beharrt, sondern sogar die Voraussetzung, es handle sich ausschliesslich um Menschen, wird als obsolet bezeichnet. Dieser Aspekt des Immateriellen mag an Yves Kleins «Zonen immaterieller malerischer Sensibilität» erinnern, die nur im leeren Raum zu erfahren ist. Der Fokus verschiebt sich jedoch von der Immaterialität des Werkes zu den (möglicherweise ebenfalls immateriellen) Schöpfer:innen. Der Begriff «Pulk» bedeutet eine meist ungeordnete, gedrängte Ansammlung von Menschen oder anderen Individuen. Wenn sich, wie im Fall dieses Kunstblatts, eine solche Verdichtung ergibt, kann daraus ein sichtbares Werk entstehen. Vielleicht kann man den «Intergalaktischen Pulk» als schöpferische Energie beschreiben, die sich – losgelöst von menschlichen, ja sogar irdischen Wurzeln – gelegentlich materialisiert. Zum Beispiel in einzelnen Kunstwerken oder in Ausstellungen – auch solchen von «gewöhnlichen» Künstler:innen, welche bislang die häufigste Form seiner sichtbaren Aktivitäten sind.
Für das Kunstblatt erscheinen auf einem von Dampf beschlagenen Spiegel die Worte «Zeit zu spielen». Nebulös bleibt, wer Sender:in und wer Empfänger:in und sogar was die Botschaft ist. Ist es eine Frage oder eine Aufforderung oder nur die Feststellung eines zeitlichen Rahmens? Je nach Ergänzung zu einem Satz verändert sich die Bedeutung. So lapidar, so offen für unterschiedliche interpretatorische Ausflüge in die Anthropologie, Kulturgeschichte, Philosophie, Psychologie und vieles mehr tauchen die drei Worte aus dem Dampf auf. Dabei ist das Spiel – im Konzept des «Homo ludens» Ursprung aller menschlichen Tätigkeiten und Fähigkeiten, insbesondere auch der Kultur – zugleich ein Verhalten, das den Menschen gerade nicht von Tieren unterscheidet. Die beiden Begriffe «Homo ludens» und «Homo faber» beschreiben unterschiedliche Aspekte menschlicher Weltaneignung. Wenn wie hier das Spielen in den Vordergrund gestellt wird, rückt das «Fabrizieren» aus dem Fokus. Während die schöpferische Energie des «Intergalaktischen Pulks» an die Stelle des «Homo ludens» tritt, wird jener glückselige Zustand, in den ein Kind im selbstvergessenen Spiel – vielleicht sogar mit unsichtbaren Wesen und Dingen – gerät, zum Sehnsuchtsort des künstlerisch Schöpferischen. Corinne Schatz

