Beni Bischof: «Rolex»
Beni Bischofs Spezialgebiet ist der verblüffende Einfall. Manchmal kann er – wie im vorliegenden Fall – als Kommentar zur Aktualität gelesen werden. Kaum je habe ich ein Werk von ihm gesehen, ohne spontan lachen zu müssen – und manchmal blieb mir das Lachen im Hals stecken.
Was macht die Attraktivität dieser Arbeiten aus? Weshalb lösen sie beim Betrachten eine derartige Spannung aus, dass Lachen der einzige Ausweg ist? Woher stammen diese Ideen? Um dies herauszufinden, besuche ich Beni Bischof im Atelier in St.Gallen. Als ich eintrete, bin ich überwältigt: Eine unüberschaubare Fülle, geordnet wirkendes Chaos, Stapel von Fotos und Heften, Bilder, Bücher, kaum Platz zum Stehen und Gehen und Sitzen, dafür überall Sachen, die das Auge gefangen nehmen. Ich fühle mich sofort wohl, und wir finden ohne Umwege ins Gespräch.
Beni Bischof hat sich – obwohl als Künstler etabliert – das Rebellisch-Kreative seiner Jugendzeit bewahrt. Er entstammt der Skaterszene. Diese war und ist eine spannende Gesellschaft: Sprachwitz, sportliches, gestalterisches und musikalisches Können spielen eine zentrale Rolle. Und im persönlichen Umgang zeigt sich oft eine Mischung aus Respektlosigkeit und respektvollem Umgang, ein ehrgeizloser Ehrgeiz – eine raue Form der Achtsamkeit.
Auch wenn es vielleicht kitschig und nostalgisch klinge, sagt Beni Bischof: Er habe immer nach Freiheit gestrebt, nie für einen Chef arbeiten, nie irgendwo Mitglied sein wollen. Aber Sport machen, das habe er schon gewollt. Die Skaterszene zog ihn deshalb an, damals, in den 1990er-Jahren. Sein erstes Bild malte er auf ein Rollbrett. Aus heutiger Sicht war das die Initialzündung für seinen künstlerischen Weg.
Beni Bischof nimmt die Paradoxien in unserem gesellschaftlichen und politischen Dasein aufs Korn. Er geht spielerisch um mit Sprache und Bedeutung, mit Wertvorstellungen und Tabus, mit scheinbar Wertvollem und Wertlosem. Seine Werke lösen einen Aha-Effekt aus. Sie sind meistens humorvoll, manchmal sarkastisch, immer treffend. Und manchmal provozieren sie Widerstand.
Seine Arbeiten wirken zunächst «trashig», schnell entworfen und gestaltet, witziger Unfug. Aber sie sind das Ergebnis eines minutiösen Arbeitsprozesses, einer langfristig angelegten Gedankenarbeit. Seine Textbücher – erschienen in der Edition Patrik Frey, gestaltet nach dem Vorbild der legendären Edition Suhrkamp – bilden für ihn ein Archiv. Sie sind ein Sammelsurium frappanter, geistreicher, banaler Sätze, manchmal in Frageform: «Wenn ein Wissenschaftler ein Brot belegt, ist es dann wissenschaftlich belegt?», manchmal als Behauptungen: «Keine Familie kann das Schild heraushängen: Hier ist alles in Ordnung.»
Hanspeter Spörri

