Julia Kubik

Julia Kubik, „Tiere und Infrastruktur“, 2026

Comiczeichnerin, Autorin, «Hundsverlochete»-Reporterin, Kabarettistin – das sind nur einige der vielen Tätigkeitsfelder, in denen sich Julia Kubik bewegt. Und – wie ihr Kunstblatt vor Augen führt – man kann hinzufügen: Fotografin. Sie präsentiert eine Auswahl ihrer fotografischen Notizen, die seit Jahren entstehen und auf Instagram verfolgt werden können. Die 31-jährige Rheintalerin «mit urbaner Sehnsucht» absolvierte die Grafik-Fachklasse an der Schule für Gestaltung in St.Gallen und lebt seither in dieser Stadt. Schon damals trat sie in unterschiedlichen Formen auf Bühnen auf und engagierte sich im Palace. Heute zeichnet sie regelmässig den Comic für das Saiten-Magazin, musiziert als Teil des Duos «Hundefutter» und trat schon gemeinsam mit Manuel Stahlberger auf, mit dem sie der bestens bekannte, spröde Humor verbindet.  Mit der Kamera respektive ihrem Mobiltelefon als ständigem Begleiter registriert sie, was ihr in ihrer alltäglichen Umgebung ins Auge sticht. Was auf Instagram nach einem Tag verschwindet, versammelt sie im Kunstblatt zu bleibender Sichtbarkeit. Sie wolle ihren frischen Blick bewahren, wünscht sich Julia Kubik. Dieser Blick hat einen sehr spezifischen und einprägsamen Charakter. Er zeichnet sich durch ein feines Gespür für Skurriles, Verschrobenes, leicht Schiefes aus. Zugleich prägt ihn eine sympathisierende oder zumindest vorurteilslose Zugewandtheit. Ihre Texte, Zeichnungen und Fotos wollen weder entblössen noch anprangern; sie decken jedoch auch noch die leiseste Spur (unfreiwilligen) Humors auf. So wirkt der durch Schmutz versteinerte Schneehaufen vor der St.Galler Hauptpost als skulpturale Erscheinung ebenso interessant wie ein Gebäude, das eher wie ein völlig zufällig aufeinander getürmtes Klötzchenspiel als wie die Schöpfung eines Architekten aussieht.  Neben diesen unter dem Titel «Infrastruktur» versammelten Fotografien bilden Tiere ein anderes wichtiges Sujet. Da steht ein Pferd fotogen, aber völlig deplatziert auf schütterem Rasen in einem städtischen Vorgarten, ein anderes zwischen dem Gerümpel eines trostlosen Hinterhofes oder grasend in einem läppischen Drahtzäunchen, das es jederzeit überspringen könnte. Und immer wieder blicken hingebungsvoll wartende Hunde in die Kamera – oder eher daran vorbei ins Leere, während mitten in der Stadt ein beneidenswerter Artgenosse fast anarchistisch leinenlos ganz alleine vorübertrabt.

Einige Fotografien sind mit kurzen Texten ergänzt, mit einem Gedicht, einer kleinen Begebenheit wie jene vom duftenden Managertyp an der Bushaltestelle vor einer Blumenwiese. Manchmal sind es ihre persönlichen Assoziationen, die erst das Humorvolle aus den Fotos herauskitzeln. Eigentlich wäre sie ja gerne Filmerin, erzählt sie. Vielleicht erscheinen deshalb manche Aufnahmen wie ein Story Board oder eine Location, wo eine Geschichte beginnen könnte. Und häufig sind es Unorte wie jene vermooste Ecke zwischen zwei Häusern, von Stadt­planern und Architektinnen übersehene Winkel, die zwischen den durchgestalteten Räumen übrig blieben, sozusagen vergessen gingen. Doch dort, wo Julia Kubik unberührter Natur begegnet, schwindet die ironische Distanz – da ist es einfach schön – und riecht gut. Corinne Schatz